Wirkstoff-Lexikon · G
INCI: Glycolic Acid
Glykolsäure ist das Arbeitstier unter den chemischen Peelings: die kleinste Alpha-Hydroxysäure (AHA), am tiefsten wirkend und mit Abstand am besten untersucht. Sie löst abgestorbene Hautzellen, glättet die Hautoberfläche und bringt fahle Haut zum Strahlen – verlangt aber Respekt: Wer Glykolsäure nutzt, braucht tagsüber konsequent Sonnenschutz.
Was ist Glykolsäure?
Glykolsäure gehört zur Familie der Alpha-Hydroxysäuren, die traditionell aus Pflanzen gewonnen wurden – im Fall der Glykolsäure aus Zuckerrohr. Für Kosmetik wird sie heute meist im Labor hergestellt, was Reinheit und Konzentration besser kontrollierbar macht. Ihr Trumpf ist die Molekülgrösse: Glykolsäure ist die kleinste AHA und dringt deshalb von allen Fruchtsäuren am tiefsten in die obersten Hautschichten ein.
Dort löst sie die «Kittsubstanz» zwischen abgestorbenen Hornzellen: Die alten Zellen können sich leichter ablösen, darunter kommt frischere, glattere Haut zum Vorschein. Genau diese Tiefenwirkung macht Glykolsäure zur stärksten AHA – und gleichzeitig zur Säure mit dem grössten Reizpotenzial.
Wirkung: Was belegt ist
Die Studienlage ist hervorragend – fünf von fünf Balken. Glykolsäure gehört zu den am längsten erforschten Peeling-Wirkstoffen überhaupt. Gut dokumentiert sind eine glattere Hautoberfläche und ein feineres Hautbild, ein frischerer, ebenmässigerer Teint sowie ein mildernder Effekt auf oberflächliche Pigmentflecken und feine Trockenheitslinien – jeweils bei regelmässiger Anwendung über Wochen. Die Wirkung hängt stark von Konzentration und Formulierung ab: Ein 5-%-Toner arbeitet sanft, ein 15–20-%-Peeling deutlich intensiver. Wunder über Nacht darfst du trotzdem nicht erwarten – Glykolsäure verbessert das Hautbild, sie verändert nicht die Haut selbst.
Anwendung & Kombination
Glykolsäure gehört in die Abendroutine: auf gereinigte, trockene Haut, danach Feuchtigkeitspflege. Starte mit einer Anwendung pro Woche und steigere langsam auf maximal zwei bis drei. Nicht verhandelbar: An allen Tagen der Säure-Phase braucht deine Haut tagsüber Sonnenschutz mit SPF 30 oder höher, weil AHAs die Haut vorübergehend lichtempfindlicher machen.
Gut kombinierbar
✓ Hyaluron & Feuchtigkeitspflege – beruhigt und polstert nach dem Peeling
✓ Ceramide – bauen die Hautbarriere an säurefreien Tagen auf
✓ Niacinamid – ergänzt die glättende Wirkung, ideal an anderen Abenden
Beachten
! Sonnenschutz ist Pflicht – AHAs machen die Haut über Wochen lichtempfindlicher
! Nicht am selben Abend mit Retinol oder weiteren Säuren kombinieren
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Wie oft darf ich Glykolsäure anwenden?
Als Leave-on-Pflege mit 5–10 % ein- bis dreimal pro Woche am Abend. Hochkonzentrierte Peelings mit 15–20 % höchstens einmal pro Woche. Starte immer mit der tiefsten Frequenz und beobachte, wie deine Haut reagiert.
Warum brauche ich bei Glykolsäure zwingend Sonnenschutz?
AHAs lösen die oberste Zellschicht und machen die Haut dadurch vorübergehend deutlich lichtempfindlicher. Ohne SPF riskierst du Rötungen und neue Pigmentflecken – also genau das Gegenteil des gewünschten Effekts. SPF 30+ ist während der ganzen Säure-Phase Pflicht.
Ist ein leichtes Kribbeln normal?
Ja, ein kurzes Kribbeln in den ersten Minuten ist bei Glykolsäure üblich. Starkes Brennen oder anhaltende Rötung sind dagegen ein Stoppsignal: Produkt abspülen und Konzentration oder Frequenz reduzieren.
Für wen ist Glykolsäure nicht geeignet?
Bei sehr empfindlicher, gereizter oder akut entzündeter Haut ist Glykolsäure zu stark. Sanftere Alternativen sind Milchsäure oder PHA – sie arbeiten milder an der Hautoberfläche.


